Ein Gewindefahrwerk lässt sich auf Ihre Wünsche abstimmen: Höhe, Zugstufe und je nach Modell auch Druckstufe. Doch wo fängt man an, und was sollte man besser der Werkstatt überlassen? Dieser Ratgeber erklärt die Einstellmöglichkeiten verständlich. Er ersetzt aber nicht die Einstellanleitung und das Gutachten Ihres Fahrwerks.
Welche Einstellungen hat mein Gewindefahrwerk?
Was Sie einstellen können, hängt von der Ausführung ab. Bei KW ist beispielsweise das V1 ab Werk fertig abgestimmt (KW: V1). Beim V2 lässt sich die Zugstufe in 16 Klicks einstellen, während die Druckstufe ab Werk vorgegeben ist (KW: V2). Das V3 bietet zusätzlich eine Druckstufe mit 12 Klicks (KW: V3).
Beim ST XTA lässt sich die Zugstufe in 16 Klicks einstellen. Beim XTA plus 3 kommen eine Lowspeed- und eine Highspeed-Druckstufe mit je 24 Klicks dazu (ST suspensions: XTA plus 3). Prüfen Sie daher zuerst in der Anleitung, welche Einstellungen Ihr Fahrwerk überhaupt hat.
Höhe einstellen: Schritt für Schritt
Die Höhe wird über Gewinderinge am Federbein verstellt. Laut KW geht das nur mit einem passenden Hakenschlüssel (KW: Funktion und Qualität). Die KW-Einbauhinweise nennen unter anderem diese Punkte (KW: Einbau- und Anwendungshinweise):
- Gewinde reinigen: Vor dem Verstellen das Gewinde reinigen, die Gewinderinge etwa 10 mm nach unten drehen und dann nochmals reinigen.
- Einstellbereich einhalten: Das Restgewindemass und das Mass Radmitte bis Kotflügelkante müssen im angegebenen Bereich bleiben. Diese Werte stehen in den technischen Daten Ihres Fahrwerks.
- Einfedern lassen: Das Fahrzeug nach der Montage im Werkstattbereich ausrollen lassen und erst dann die Höhe messen.
- Setzen einrechnen: Das Fahrzeug kann sich im Fahrbetrieb um weitere 5 bis 10 mm absenken.
- Freigängigkeit prüfen: Abstände der Räder zu Federbeinen, Fahrwerks- und Karosserieteilen kontrollieren.
Laut den gleichen Hinweisen müssen nach jeder Höhenkorrektur die vorgeschriebenen Kontrollschritte wiederholt werden. Lassen Sie danach die Achse vermessen. KW empfiehlt nach dem Fahrwerkstausch ausdrücklich eine Achsvermessung (KW: Achsvermessung).
Zugstufe und Druckstufe einfach erklärt
Laut KW bestimmt die Druckstufe, wie schnell und wie stark ein Rad bei einer Bodenwelle einfedert. Die Zugstufe bestimmt, wie die Feder danach wieder ausfedert (KW: Zug- und Druckstufeneinstellung). Bei KW-Gewindefahrwerken werden beide getrennt eingestellt.
Ein KW-Vertreter erklärte gegenüber der Fachzeitschrift autoservicepraxis, wie sich die Einstellungen auswirken. Eine härtere Druckstufe vorne macht die Lenkung direkter, eine weichere macht sie gutmütiger. Hinten wirkt eine härtere Druckstufe dem Übersteuern entgegen. Eine weichere Zugstufe bringt bei langsamer Fahrt mehr Komfort, eine härtere eine bessere Rückmeldung beim Handling (autoservicepraxis: Gewindefahrwerke).
So gehen Sie beim Abstimmen vor
KW und ST liefern ihre einstellbaren Fahrwerke mit einer Grundeinstellung aus, die auf das jeweilige Fahrzeug abgestimmt ist (ST suspensions: XTA). Beginnen Sie mit dieser Einstellung und schreiben Sie sie auf.
- Zählweise kennen: In einer KW-V3-Anleitung werden die Klicks ab der ganz harten Stellung gezählt (KW V3 Einstellanleitung). Prüfen Sie in Ihrer Anleitung, wie gezählt wird.
- In kleinen Schritten: Immer nur eine Einstellung um wenige Klicks verändern und dieselbe Strecke erneut fahren.
- Beide Seiten gleich: Links und rechts an einer Achse gleich einstellen.
- Keine Extreme: Dieselbe Anleitung warnt davor, eine Achse ganz hart und die andere ganz weich zu fahren (KW V3 Einstellanleitung).
- Notieren: Jede Änderung mit Klickzahl, Strecke und Eindruck festhalten.
Schweizer Vorgaben bei Höhenänderungen
Das Strassenverkehrsamt Zürich verlangt bei Gewindefahrwerken, dass der Umbauer das Mass Achsmitte bis Kotflügelrand vorne und hinten vor und nach der Tieferlegung angibt. Ausserdem müssen bei jeder Beladung ausreichende Federwege vorhanden sein, und die Beleuchtung muss korrekt eingestellt sein (Kanton Zürich: Fahrwerk).
Wenn Sie die Höhe nach der Prüfung deutlich verändern möchten, klären Sie das Vorgehen vorher mit Ihrem Strassenverkehrsamt ab. Die Grundlagen zu Unterlagen und zur 40-mm-Grenze finden Sie im Ratgeber Gewindefahrwerk oder Tieferlegungsfedern.
Pflege für eine leichtgängige Verstellung
KW und ST setzen auf Trapezgewinde, die unempfindlich gegen Schmutz sind. Sie sollen die Höhe auch nach Jahren noch leicht verstellbar halten (ST suspensions: Höheneinstellung). Damit das so bleibt, sollten Sie die Gewindebereiche bei der Radmontage oder vor dem Winter von Schmutz befreien. Und lassen Sie die Gewinderinge hin und wieder auf Leichtgängigkeit prüfen.
Checkliste nach jeder Einstellung
- Gewinderinge: Sind alle Ringe gemäss Anleitung gekontert?
- Masse: Liegen Restgewinde und das Mass Radmitte bis Kotflügel im zulässigen Bereich?
- Freigängigkeit: Ist bei vollem Lenkeinschlag und Einfedern genug Abstand vorhanden?
- Dämpfung: Sind die Klicks links und rechts gleich und notiert?
- Werkstatt: Wurden Achsvermessung und Scheinwerfereinstellung nach der Höhenänderung erledigt?
- Unterlagen: Passt die eingestellte Höhe zu den Unterlagen für die Prüfung?
Häufige Fragen zum Einstellen
Kann ich die Höhe selbst einstellen?
Dafür braucht es mindestens einen passenden Hakenschlüssel, und je nach Fahrwerk müssen Teile ausgebaut werden (KW: Anwendungshinweise). Da danach eine Achsvermessung nötig ist, empfehlen wir die Einstellung in einer Fachwerkstatt.
Muss ich die Dämpfung überhaupt verstellen?
Nein. Die Grundeinstellung ist auf Ihr Fahrzeug abgestimmt und ein guter Ausgangspunkt. Verstellen Sie die Dämpfung nur, wenn Sie gezielt mehr Komfort oder ein sportlicheres Fahrverhalten wünschen.
Was mache ich, wenn ich mich verstellt habe?
Stellen Sie die notierte Grundeinstellung aus der Anleitung wieder her und beginnen Sie erneut in kleinen Schritten.
Warum hat sich mein Auto nach einigen Kilometern abgesenkt?
Laut KW kann sich ein Fahrzeug im Fahrbetrieb um weitere 5 bis 10 mm absenken (KW). Lassen Sie die Höhe nach einer kurzen Einfahrzeit nachmessen und bei Bedarf korrigieren.
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Zurück zur Ratgeber-Übersicht. Informationsstand: 7. November 2026. Dieser Ratgeber ersetzt weder die Einstellanleitung und das Gutachten Ihres Fahrwerks noch eine fachgerechte Montage und die Abklärung mit der Zulassungsstelle.


